
Guten Morgen, ihr Lieben,
es ist wieder Sonntag, Zeit für unseren gemeinsamen Kaffeeduft & Sonnengruß.
Normalerweise fliegen wir hier sonntags eher leicht durch die Zeilen. Doch an diesem Wochenende liegt auch noch etwas Anderes in der Luft. Ein Innehalten.
Gestern war Reformationstag, und heute, an diesem Sonntag, begehen wir Allerheiligen. Beides je nach Region staatliche Feiertage. Tage, an denen die Welt da draußen oft von lautem Halloween-Grusel übertönt wird. Aber es sind eben auch Tage des Gedenkens.
Als ich Jugendliche war – mitten in dieser Phase, in der man plötzlich alles anzweifelt, den Glauben, die Welt, sich selbst –, schenkte mir meine Mutti ein winziges, schier unscheinbares Bändchen mit Gedanken von Albert Schweitzer, dem Urwaldarzt, Musiker und Universalgelehrten.
Für mich wurde dieses Büchlein zu einem echten Schatz. Inmitten all des pubertären Chaos fand ich dort einen Kompass, der mich bis heute leitet: Seine Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“.
Schweitzer schrieb einmal einen Satz, der sich tief in mein Herz eingebrannt hat:
„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“
Dieser einfache Satz hat mir damals den Boden unter den Füßen zurückgegeben. Er verlangt keine dogmatischen oder religiösen Antworten, sondern nur ein offenes Herz für alles, was atmet, fühlt und existiert.
Und genau diese Ehrfurcht führt mich heute schlussendlich zu einer Brücke, einer Brücke des Gedenkens an all jene, die diesen Weg des Lebens ein Stück mit uns gegangen sind und uns bereits verlassen haben. Sie fehlen. Auf meinem Weg, auf eurem Weg.
Die Ehrfurcht vor dem Leben schließt das Erinnern an die Verstorbenen mit ein. Indem wir sie im Herzen tragen, bleibt ihr Licht ein Teil unseres heutigen Sonnengrußes.
Vielleicht mögt ihr an diesem Sonntag auch für einen kurzen Moment innehalten: An wen denkt ihr heute besonders? Welche Spuren haben diese Menschen in eurem Leben hinterlassen?
Ich wünsche euch einen tiefen und kraftvollen Sonntag.
Eure Franziska