Winter an der Elbmündung

Ein ungewohntes Schauspiel

Ich wohne jetzt das 18.Jahr da, wo die Elbe in die Nordsee mündet.

Erinnern kann ich mich nicht daran, dass in diesen Jahren der Winter länger als ein, zwei oder drei Tage hier vorbeigeschaut hätte. Das auch nicht im Januar, sondern eher auf Ostern zu.

Wie mir mein Vermieter bei einem Klönschnack auf dem Hof gestern erzählte, trügt mich meine Erinnerung tatsächlich nicht. Seit dem Katastrophenwinter von 1978/79 meidet der “alte Mann mit Schnee, Sturm und Eis in seinem Bart” uns hier oben. Da er sich in wenigen Tagen auch schon wieder verabschieden wird, musste ein Ausflug auf den Deich und an den Strand einfach sein.

Gesagt, getan. Der Linienbus bog tatsächlich pünktlich um die Ecke und tuckerte vorsichtig mit mir als einzigem Fahrgast meinem Ziel entgegen. Vorsichtig, da nur die Hauptstraßen geräumt waren.

Leider war das am in dieser Zeit urlauberleeren Strand nicht anders. Vorn am Watt ging es noch. Hier lag auch nicht so viel Schnee, bedingt durch Ebbe und Flut blieb ein Sandstreifen schneefrei.

Aber: Die Luft war noch reiner als sonst, die Sonne wagte sich durch die drohenden Wolken hindurch. Der Blick ging weit. Ein Erlebnis, das ich ganz sicher in meiner Erinnerung bewahren werde.

Der Weg zur Bushaltestelle am Waldrand war dann etwas schwieriger. Mal versank ich in tiefen Schneewehen, mal versuchte ich mich als Eistänzerin auf spiegelglatten Flächen.

Geschafft. Und, ich konnte es kaum glauben: Der Bus bog auch für die Rückfahrt pünktlich um die Ecke und brachte mich, wieder als einzigen Passagier, wohlbehalten in die Stadtmitte zurück.

Dass das gar nicht so selbstverständlich war, merkte ich spätestens, als ich in unserem Supermarkt vor gähnend leeren Regalen stand. Die Liefer-LKW’s hatten den Weg bis zu uns nicht geschafft.