Mitten im Satz stoppen, den Faden verlieren und plötzlich nicht mehr wissen, worauf man eigentlich hinauswollte – wer kennt es nicht?
Mir selbst passiert das beim Erzählen in letzter Zeit auch immer wieder. Als jemand, der die 60 inzwischen schon einige Jahre hinter sich gelassen hat, schleicht sich in solchen Momenten sofort eine leise Angst ein: Werde ich nun auch langsam vergesslich? Es ist eine Sorge, die mich besonders berührt, da ich echte, schmerzhafte Vergesslichkeit leider auch in meinem nahen Umfeld leidvoll miterleben musste. Umso beruhigender ist es, dass die jüngere Generation dieses Phänomen ganz unabhängig vom Alter ebenfalls kennt – sie betitelt diesen Moment im modernen Sprachgebrauch heute meist kurz und knackig als „Blackout“. Aber woher kommt dieser „Faden“ überhaupt, den wir so oft im Kopf suchen?
Der Ursprung dieser Redewendung führt uns weit zurück in die Welt der Mythen und des alten Handwerks. Zwei Geschichten erklären das Phänomen besonders schön:
Der Faden der Ariadne aus der griechischen Mythologie - Um dem Helden Theseus den Weg aus dem finsteren Labyrinth des Minotaurus zu zeigen, schenkte Ariadne ihm ein Wollknäuel. Theseus rollte es beim Hineingehen ab. Hätte er diesen roten Faden verloren, wäre er für immer in der Dunkelheit gefangen gewesen.
Die WeberInnen: Wer am Webstuhl saß, musste hochkonzentriert sein. Riss der Kettfaden, war das Muster ruiniert und der Weber bzw. die Weberin sprichwörtlich aus dem Konzept gebracht.
Heute weben die meisten von uns keine Stoffe mehr mit den Händen, sondern unsere Gedanken zu Sätzen. Wenn uns das nächste Mal der Faden reißt oder der „Blackout“ zuschlägt, tröstet uns vielleicht der Gedanke: Wir befinden uns in bester Gesellschaft von antiken Helden und Meisterwebern.
Habt ihr heute schon euren Faden verloren – oder haltet ihr ihn fest in der Hand?
Bis zum nächsten „Sagt man so!” liebe Grüße von Franziska

