Service im Winterwunderland Thüringer Wald

Unerwartet, aber es gibt ihn noch. Nicht überall gilt "Servicewüste Deutschland."

Ich stehe am Montagmorgen etwas verzagt am Fenster unserer Campinghütte und schaue auf eine unerwartete Winterlandschaft. Alles hat eine Haube auf. Auch unser Auto vor der Tür. Und auf den vorhandenen Schnee des Vortages sind mindestens 20 Zentimeter Neuschnee gefallen.

Ich habe mich freiwillig für den Brötchenholdienst gemeldet, um meinem Baby-Enkelchen und seinen Eltern noch etwas Ruhe zu gönnen.

Schaffe ich das überhaupt? Am Tag davor hatte es mir die Beine schon weggezogen bei einer unserer Wanderungen. Aber da war es glatt gewesen.

Also Stiefel, Jacke und Mütze an und den Hang hinab zur Rezeption des Campingplatzes, auf dem wir uns für drei Nächte eingemietet hatten. Pünktlich um 8:00 Uhr stehe ich vor der Tür. Licht brennt drinnen. Aber die Tür ist zu. Auch mehrmaliges Rütteln ändert nichts daran. Etwas verunsichert stehe ich vor der Tür, kann es mir nur mit den, wahrscheinlich selbst für den Thüringer Wald unerwarteten Schneemengen erklären. Also warte ich erst einmal noch.

Wenige Minuten danach biegt ein kleiner Schneepflug um die Ecke und hält genau vor mir. Es ist der Platzwart, der mir mit einer Tüte winkt. Tatsächlich unsere Brötchen. Die Rezeptionsbesatzung ist auf den Straßen nicht durchgekommen, also hat er sie für uns geholt. Er erzählt mir, dass wir noch die einzigen Gäste sind. Und beruhigt mich, dass wir nicht Punkt 10:00 Uhr abreisen müssen. Den Schlüssel wird nur er entgegennehmen.

Fröhlich zurückgestapft, Kaffee gekocht und den Frühstückstisch gedeckt. Während des Frühstücks nehme ich den jungen Leuten die Auscheckhektik. Es dauert mit einem vier Monate alten Kind eben alles etwas länger. Zudem noch das dick mit Schnee eingepackte Auto.

Da es, während wir packten und räumten, unbeirrt weiter schneite, drehte der Schneepflug regelmäßig und geduldig immer wieder seine Runde um unsere Hütte, um unseren steil nach unten gehenden Zufahrtsweg für uns frei zu halten.

Wir waren beeindruckt und verabschiedeten uns bei der Abfahrt herzlich von diesem freundlichen Mann, der uns lange noch hinterherwinkte.