Guter Mond, du gehst so stille… Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen…
Es gibt so viele Gedichte, Lieder, Gebete, Geschichten und Gemälde, die uns unabhängig von der Wissenschaft von unserem Erdtrabanten erzählen. Auch der Mann im Mond gehört dazu. Wie oft habe ich als kleines Mädchen abends am Fenster gestanden und versucht, ihn zu entdecken.
Egal, wie weit die wissenschaftliche und wirtschaftliche Erschließung des bleichen Gesellen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch gedeihen wird, die alten Geschichten verlieren deshalb nicht ihren Reiz.
Ob sie noch angstbesetzt sein müssen, wie es für die kleine Franziska vor über fünfzig Jahren der Fall war, ist eine andere Frage.
Es kribbelt heute noch vom Kopf bis in die Zehenspitzen, meine Furcht in jeder Pore neu fühlend, wenn ich das kleine Mädchen vor meinem inneren Auge sehe, das im Dunkeln die Straße entlang rannte, stolperte, ohne Unterbrechung mit dem Blick nach oben, um den Mond auch nicht eine Sekunde aus den Augen zu lassen.
Warum? Nun, es hätte ja just in dem Moment passieren können, dass er sich in Bewegung setzte und auf mich herunterfiel. Ich hatte in irgendeinem Erwachsenengespräch aufgeschnappt, dass einmal vier Monde die Erde umkreisten und drei bereits heruntergefallen seien. Die kindliche Logik ließ mich völlig davon überzeugt sein, dass auch der letzte ganz sicher noch herunterpurzeln würde.
Natürlich weiß ich inzwischen, dass er sich eher auf dem Kurs weg von der Erde befindet. Jedes Jahr einige Zentimeter.
Die kindliche Angst hat sich im Laufe der Jahre nämlich in ein kontinuierliches Interesse gewandelt. Ein Interesse, das mich jede Fernsehreportage, jeden Artikel und auch schon so manches Buch über ihn verfolgen ließ. Wissen verscheucht Ängste.
So kenne ich auch den aktuellen Stand der Wissenschaft, der nicht von vier Monden, wohl aber von einem zweiten spricht. Dieser ist jedoch nicht auf unseren blauen Planeten gestürzt. Ihr seht ihn auch heute noch.
Er ist vor Jahrmillionen mit unserem guten alten Mond zu einem verschmolzen.
