Einen wunderschönen guten Morgen bei Kaffeeduft und Sonnengruß!
Habt ihr euch schon einmal überlegt, wer ihr ohne euren Vornamen wäret? Namen sind das erste Geschenk, das wir im Leben bekommen – aber manchmal fühlt es sich auch an wie ein Kleidungsstück, das einfach nicht richtig passen will.
Ich selbst bin als Franziska Maria „geschlüpft“. Mein Rufname Franziska begleitete mich durch die Jahrzehnte, aber glücklich war ich damit lange nicht. Er klang in meinen Ohren immer zu hart, zu streng. Weder Fränzi, Fränzile noch Franzi konnten diese für mich fühlbaren Kanten glätten. In der Schule wurde es zudem so gehandhabt : War ich brav, war ich die Fränzi; gab es Rügen von den Lehrern, donnerte ein strenges „Franziska“ durch den Raum.
Wie gern hätte ich mit meiner Schwester Monika getauscht! Das Absurde? Sie wiederum haderte mit ihrem Namen. Erst viel später fand ich meinen Frieden – durch einen sprachlichen Umweg. Als die polnische Verwandtschaft meiner Schwiegertochter in spe daraus ein weiches Francesca machte und ich diesem Namen zusätzlich als Anrede für mich im Italienischunterricht wiederbegegnete, spürte ich: Ja, damit kann ich leben.
Heute beobachte ich das Phänomen auch hautnah bei der nächsten Generation. Mein kleiner Enkel ist elf Monate alt und hört auf den Namen Atlas. In Deutschland erntet dieser Name hin und wieder ungläubiges Kopfschütteln. Wer die griechische Mythologie und damit den Namen kennt, fragt wiederum besorgt: „Legt ihr dem Jungen damit nicht eine viel zu schwere Last auf die Schultern?“ Seine Eltern haben monatelang gegrübelt, abgewogen und sich bewusst dafür entschieden.
Doch die Sorge der Umwelt bleibt im allgemeinen: Prägen uns Namen in unserer Charakterbildung oder gar im Lebenslauf? Bestrafen Eltern ihre Kinder unbewusst mit sehr ungewöhnlichen oder altbackenen Namen?
Die Psychologie kennt hierfür sogar einen Fachbegriff der „Namen-Nutzer-Konstruktion“. Studien zeigen tatsächlich, dass Namen Erwartungen wecken.
Ein Kevin oder eine Chantal kämpfen in Grundschulen leider oft mit Vorurteilen, während traditionelle Namen häufig ebenso ungewollt eine überzogene Seriosität suggerieren. Und ja, natürlich kann ein Name abfärben: Wer ständig wie ich das harte, rügende „Franziska“ im Ohr hat, verknüpft damit andere Gefühle als jemand, dessen Name wie eine Melodie fließt.
Ich plädiere deshalb grundsätzlich für eine Kultur der Toleranz, die es Kevin, Chantal, Bombastus oder Erdmute erlaubt, einfach ohne Erwartungen an sie Kind zu sein und Franziska sich „auf ihre alten Tage“ mit Francesca wohlzufühlen. Übrigens hänseln Kinder nie einfach so, sie kopieren lediglich das Kopfschütteln der Erwachsenen.
In diesem Sinne genießt einen sonnigen Spätsommer-Sonntag.
Bis zum nächsten Mal Eure Franziska

