Wer eine Fähigkeit im Schlaf abrufen kann, ein Fachgebiet blind beherrscht oder eine Aufgabe ohne langes Nachdenken perfekt erledigt, der kann sie „aus dem Effeff“. Die Redewendung gehört fest zu unserem Sprachschatz, und laut Duden ist die Schreibweise als ein Wort (Effeff) fest vorgegeben. Doch woher kommen diese beiden geheimnisvollen Buchstaben, die für absolute Meisterklasse stehen? Die Sprachwissenschaft hält dafür drei faszinierende historische Theorien bereit.
Erstens und gleichzeitig wohl auch die fundierteste Theorie:
Im mittelalterlichen Rechtssystem arbeiteten Gelehrte intensiv mit einer Sammlung römischer Gesetzestexte. Um in ihren Schriften darauf zu verweisen, nutzten sie den griechischen Buchstaben Pi (π). Da die Juristen das Zeichen in ihrer Handschrift oft hastig und undeutlich hinkritzelten, verschmolzen die Linien mit der Zeit. Aus dem geschwungenen Pi wurden optisch zwei kleine ff. Wer also direkt und fehlerfrei aus diesen Gesetzestexten zitieren konnte, beherrschte das Recht sprichwörtlich „aus dem ff“.
Eine weitere Erklärung führt uns in den italienischen Handel des 17. Jahrhunderts. Kaufleute kennzeichneten die Qualität ihrer Waren mit Buchstaben. Ein einfaches f stand für „fein“ (fino). Handelte es sich jedoch um absolute Spitzenware der allerhöchsten Güteklasse, steigerte man dies zu ff – für finissimo („sehr fein“). Wer sein Handwerk also „aus dem ff“ verstand, lieferte Arbeit in exzellenter Meisterqualität ab. Im klassischen Zitierwesen findet sich schließlich die dritte Theorie. Wenn man auf eine folgende Seite verweist, schreibt man f. für „folgende“. Für mehrere darauf folgende Seiten wird dann die Abkürzung ff. - für „fortfolgende“ - genutzt. Wer ein Thema „aus dem ff“ beherrscht, hat demnach nicht nur die erste Seite aufgeschlagen, sondern das gesamte Kapitel verinnerlicht.
Heute nutzen wir die Redewendung in allen Lebensbereichen. Wenn wir z.B. sagen: „Unsere Buchhalterin beherrscht die Bilanzierung aus dem Effeff“, drücken wir damit höchste Anerkennung aus. Es beschreibt die Stufe, auf der eine Kompetenz vom bewussten Lernen in die intuitive, fehlerfreie Anwendung übergegangen ist.
Welche Theorie am Ende die Richtige ist? Ich konnte es nicht herausfinden. Ich finde alle drei Erklärungsversuche spannend.
Eure Franziska