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GESCHICHTEN VON FRANZISKA ROCH

Kann Freiheit auch nach Waldbeeren, Pilzen und Pellkartoffeln schmecken?

Einen wunderschönen guten Morgen am ersten Oktobersonntag des Jahres!

„Ich liebe deines Raumes Schweigen,
und deiner Schatten lichten Schein.
Wie sanft in deinen tiefsten Zweigen
die Vögel alle schlafen ein.“
Rainer Maria Rilke

Vor wenigen Tagen habe ich hier über meine mäßig erfolgreiche Karriere als Pilzsucherin geschrieben. Aber wisst ihr was? Wenn ich heute die Augen schließe und an die Wälder meiner Kindheit zurückdenke, strömt mir sofort ein ganz anderes Gefühl entgegen. Ein Gefühl von Zeitlosigkeit und von einem tiefen, elterlichen Urvertrauen, das es heute in unserer durchgetakteten Welt kaum noch zu geben scheint.

Der Wald war damals kein Ausflugsziel, er war unser erweiterter Lebensraum. Zwischen den Bäumen suchten meine Geschwister und ich im Spätsommer nach tiefblauen Heidelbeeren. Wir hatten kleine Eimerchen dabei, die sich aber nur mühsam füllten – denn das meiste fand ohnehin direkt den Weg in unsere Münder. Was es am Ende doch nach Hause schaffte, gab es ganz schlicht mit kalter Milch. Die lila Zungen und Finger zeugten noch Tage später von unserem Glück.

Sogar mein täglicher Schulweg führte mitten durch das schattige Dickicht. Und ehrlich gesagt: Pünktlichkeit war damals ein dehnbarer Begriff. Regelmäßig kam ich viel zu spät nach Hause. Nicht, weil ich trödelte, sondern weil der Wald rief. Da gab es Moosburgen zu bauen, geheime Pfade zu erkunden und die Zeit einfach komplett zu vergessen.

Das Faszinierende daran? Unsere Eltern hatten keine Angst. Es gab keine Handys, keine Tracker und keine ständigen Kontrollanrufe. Sie ließen uns laufen. Sie vertrauten darauf, dass der Wald uns beschützt – oder dass wir instinktiv wussten, was zu tun ist. Davor, dass uns etwas passieren könnte, hatten sie keine Angst.

Und das Beste kam oft spät am Abend. Wenn wir von unseren Streifzügen heimkehrten, verwandelte meine Mutter die Fundstücke meiner Geschwister in pure Magie. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie geduldig die Maronen und Steinpilze putzte und in der Pfanne erglühen ließ. Es wurde erstaunlich spät an diesen Abenden. Aber das war egal. Weil es diese besonderen Tage waren, durften wir länger aufbleiben. Es gab die frisch gebratenen Pilze mit einfachen Pellkartoffeln.

Ich habe in meinem späteren Leben in feinen Restaurants gegessen und exquisite Menüs probiert. Aber nie wieder – wirklich nie wieder – hat ein Pilzgericht so gut geschmeckt wie diese späten Abendbrote aus der elterlichen Pfanne. Warum? Weil man die Freiheit des Nachmittags und die Liebe der Zubereitung eben nicht mitkochen kann. Sie stecken nur in der Erinnerung.

Habt einen wunderbaren, entspannten Sonntag!

Eure Franziska

Geschrieben von Franziska Roch.

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