Immer wenn du meinst, es geht nicht mehr...

kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Es ist über neunundzwanzig Jahre her, als ich diese Karte zum Abschied bei einer Mutter-Kind-Kur überreicht bekam.

Mein Sohn, heute dreißig und selbst frischgebackener Papa, war damals anderthalb Jahre alt. Die Kur hatte mir die CARITAS vermittelt. Die letzte damals mit noch vier Wochen. Im Dezember 1996.

Die Fahrt von Thüringen mit dem Zug in den Schwarzwald mit Gepäck und Kleinkind war schon eine Herausforderung, die sich aber am Ende durchaus lohnte. Wir waren in einem kleinen, von Franziskanerinnen geführten, Kurheim mit nicht mehr als 25 Plätzen untergebracht.

Noch heute habe ich ein wohliges Gefühl, wenn ich daran denke, wieviel Liebe und echte Herzlichkeit uns die Schwestern entgegenbrachten. Wie in den meisten deutschen Kongregationen waren diese alle in einem Alter, in dem wir nicht mehr arbeiten würden. Die Älteste an die neunzig Jahre. Aber auch sie hatte noch ihre Aufgabe und bastelte abends mit uns Müttern, wenn die Kinder im Bett lagen. 

Ich war damals nicht ohne Grund zur Kur geschickt worden. Heute würde man wahrscheinlich Burnout dazu sagen.

In so manchem Gespräch mit der Mutter Oberin oder der direkten Ansprechpartnerin für uns Mütter, Schwester Agnes, bekam ich keine Ratschläge aufgedrückt, es wurde mir jedoch einfach zugehört. Das tat einfach gut.

Diese Karte von Schwester Agnes, einer sehr fröhlichen und tatkräftigen Person, ist nun inzwischen leicht vergilbt. Agnes selbst, damals schätzungsweise Ende sechzig, wird wahrscheinlich gar nicht mehr am Leben oder zumindest hochbetagt sein.

Ihre Karte jedoch hat bis heute ihren festen Platz an meiner Pinnwand in der Küche.

Für manche mag der Spruch vielleicht etwas bieder, angestaubt oder einfach nur fromm wirken. Für mich hat er sich jedoch über viele Jahre hinweg in so manchen persönlichen oder beruflichen Krisen bewahrheitet. Es gab immer ein Lichtlein, mal schwach, mal stärker, welches mir Mut zum Weitermachen machte.