Wenn wir den Namen Henning Mankell hören, denken die meisten von uns sofort an düstere schwedische Landschaften, den melancholischen Kommissar Kurt Wallander und dunkle Kriminalfälle. Doch Mankell konnte auch ganz anders.
Fernab von Mord und Totschlag hat er mit seiner Joel-Gustafsson-Reihe literarische Meisterwerke für Jugendliche geschaffen. Mein absoluter Favorit und meine Jugendbuchempfehlung der Woche ist der erste Band dieser Reihe: Der Hund, der unterwegs zu einem Stern war.
Das Buch erzählt die Geschichte des elfjährigen Joel, der im eisigen Norden Schwedens aufwächst. Seine Mutter hat die Familie verlassen und sein Vater Samuel, ein ehemaliger Seemann, verdingt sich notgedrungen als Holzfäller. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist von tiefer Zuneigung, aber auch von großem Schweigen und den alltäglichen Herausforderungen des Lebens geprägt.
Eines Nachts sieht Joel aus dem Fenster einen einsamen Hund durch den Schnee laufen – einen Hund, der für ihn so aussieht, als sei er unterwegs zu einem fernen Stern. Dieses Bild lässt Joel nicht mehr los und wird zum Auslöser für nächtliche Expeditionen und eine tiefgreifende Suche nach sich selbst.
Was dieses Buch für mich zu einem der herausragenden Jugendbücher überhaupt macht, ist seine ganz besondere Atmosphäre. Mankell erzählt die Geschichte mit feinen, fast märchenhaften Zügen. Es liegt eine poetische Stille über der Handlung, die den Leser sofort gefangen nimmt.
Gleichzeitig geht die Geschichte psychologisch enorm in die Tiefe. Mankell verarbeitet hier spürbar autobiografische Züge – auch er wuchs ohne Mutter bei seinem Vater im Norden Schwedens auf. Diese persönliche Note verleiht dem Buch eine unnachahmliche Authentizität.
Es ist eine Geschichte, die ohne den moralischen Zeigefinger auskommt. Mankell berührt die sensiblen Probleme des Heranwachsens, die Einsamkeit, die Sehnsucht nach der Mutter und die komplizierte, aber liebevolle Dynamik zwischen einem alleinerziehenden Vater und seinem Sohn. Ein leises, kraftvolles und absolut zeitloses Buch, das nicht nur Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren, sondern auch Erwachsene tief im Herzen berührt.
Wer den „anderen“ Mankell noch nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen.
Das Buch wurde u.a. bei dtv Junior als Taschenbuch und in der SZ Jugendbibliothek in gebundener Form herausgegeben.

