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Wenn uns ein Thema völlig unbegreiflich erscheint, wir vor einem Rätsel stehen oder die Gebrauchsanweisung eines neuen Küchengeräts unlesbar wirkt, seufzen wir oft: „Das ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln!“ 

Ein Buch mit sieben Siegeln?

Die Spurensuche führte mich zweitausend Jahre zurück in das letzte Buch des Neuen Testaments: die Offenbarung des Johannes (Kapitel 5). Der Seher Johannes beschreibt dort eine himmlische Vision. Er sieht eine Buchrolle in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sitzt. Diese Rolle ist von innen und von außen beschrieben und mit genau sieben Siegeln fest verschlossen.

Ihr müsst wissen: Im antiken Recht hatte die Zahl Sieben eine besondere rechtliche Bedeutung. Wichtige Dokumente, wie etwa Testamente, wurden oft von sieben Zeugen mit ihren jeweiligen Siegeln verschlossen. Nur wenn alle sieben Zeugen anwesend waren und ihre Siegel brachen, durfte das Dokument geöffnet und verlesen werden.

In der biblischen Vision weint Johannes deshalb sogar, weil zunächst niemand im ganzen Universum für würdig befunden wird, diese sieben Siegel zu öffnen und den Blick auf die Geheimnisse der Zukunft und des göttlichen Plans freizugeben.

Den Weg in unsere Alltagssprache verdanken wir allerdings – wie so oft bei biblischen Redensarten – Martin Luther und seiner deutschen Übersetzung der Bibel. Aus der sperrigen biblischen Metapher wurde im Laufe der Jahrhunderte ein geflügeltes Wort für alles, was uns intellektuell oder praktisch überfordert.

Wenn ihr also das nächste Mal vor einer Steuererklärung oder den Algorithmen der sozialen Medien verzweifelt: Grämt euch nicht. Ihr steht lediglich vor einem modernen Buch mit sieben Siegeln – und das durfte historisch gesehen schließlich kaum jemand öffnen!

Bis zum nächsten “Sagt man so! am kommenden Donnerstag!

Eure Franziska

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