Dosenöffner auf Zeit

Mein Versuch, eine Katze zu hüten

Sonntagabend im vergangenen Spätherbst. Ich hatte eine neue Untermieterin. Weichi war bei mir eingezogen.

Wer, wie, was? Ach so, Weichi ist eine grau gestreifte Katze. Sie wurde mir von ihren beiden Frauchen, Mutter und Tochter, für eine Woche anvertraut.

Ungewohnt. Schon lange habe ich kein Haustier mehr. Die Beerdigung des letzten Meerschweinchens im Wald liegt eine Reihe an Jahren zurück. Danach wollte ich nicht mehr. Zu viele Tierbestattungen und der eigentliche Tierhalter, mein Sohn, war schon längst ausgezogen.

Dementsprechend fühlte ich mich etwas unsicher. Aber der Mensch wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Dachte ich.

Weichi bekam mein Schlafzimmer als Wohnort zugeteilt und ich zog für die Zeit auf die Couch im Wohnzimmer um. So weit, so gut. Weichis junges Frauchen hatte mich mit allem versorgt, was ich für sie so brauchte, wie Futter, Streu, Katzenklo, Spielzeug. Da jeder und jede, egal, ob Mensch oder Tier, in einer neuen Umgebung Zeit zum Eingewöhnen braucht, ließ ich sie erst einmal allein in ihrem neuen Terrain.

Doch bereits abends begann die Sorge. Ich konnte sie nirgends finden, obwohl ich am Ende bäuchlings durch das ganze Zimmer robbte. Es folgte für mich eine sehr unruhige Nacht.

Ich grübelte, kontrollierte die verschlossenen Fenster, ob sie vielleicht doch offen waren, die Wohnungstür, suchte in weiteren Räumen der Wohnung, kontrollierte wieder die Fenster. Und mit jeder Stunde wurde ich panischer. Erfolglos. Meine Untermieterin auf Zeit blieb verschwunden. 

Am nächsten Abend nach weiteren unruhigen Suchbemühungen tagsüber dann endlich die befreiende Auflösung. Die Katze lag unter einem fast auf dem Boden angebrachten Bücherbord. Unbequemer ging es nicht mehr. Wie konnte sie in dieser Enge noch atmen, geschweige denn schlafen? Auf diese Idee war ich deshalb gar nicht gekommen. Was für Angstträume mochte das kleine Katzenhirn wohl produziert haben?

Es sollte noch einen weiteren Tag dauern, bis sie sich aus ihrem Versteck wagte. Und noch einen weiteren, um das von mir immer wieder erneuerte Futter anzurühren.

Was war ich froh, als sie am Freitag darauf, zwei Tage eher als geplant, von einem ihrer Frauchen wieder abgeholt wurde. Eines stand fest, so sehr ich mich auch bemühte, wohl fühlte sich das Tier bei mir nicht. Es in seiner vertrauten Umgebung daheim zu versorgen, wäre wohl die bessere Lösung gewesen.