Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee zieht durch die Küche, die Sonne blinzelt durch das Fenster und vor mir liegt: nichts. Zumindest theoretisch. Denn genau hier beginnt oft das Problem.
Wie schwer tun wir uns eigentlich mit dem „Dolce far niente“, dem süßen Nichtstun? Kaum setzt die Stille ein, meldet sich das schlechte Gewissen. Ich muss noch Wäsche waschen, Mails beantworten, den nächsten Beitrag schreiben. Effizienz als Währung und die innere To-do-Liste immer dabei.
Ist es nicht so, dass wer nichts tut, schnell als träge gilt? Das „Dolce far niente“ nicht unbedingt typisch in unseren Breitengraden.!
Dabei ist dieses Konzept in anderen Ländern eine hochgeschätzte Lebensform.
Besonders im Süden Europas ist das Nichtstun kein Zeichen von Faulheit, sondern das Fundament von Lebensqualität. Am späten Nachmittag auf einer Bank sitzen, das Treiben auf der Piazza beobachten, die Wärme des Pflasters spüren und einfach nur existieren. Ohne Ziel. Ohne diesen Moment sofort auf Social Media zu teilen.
Wie unendlich schwer uns das fällt, habe ich gerade erst in meinem Florenz-Urlaub vor wenigen Wochen am eigenen Leib erfahren. Als ich dort ankam, lief mein innerer Motor noch absolut auf Hochtouren. Ich hatte Listen im Kopf: Welche Kirche, welches Museum muss ich sehen? Wann muss ich aufstehen, um die Schlangen vor den Uffizien zu umgehen?
Doch Florenz hat sein eigenes Tempo. Die Stadt verzeiht Eile nicht. Und so passierte von Tag zu Tag etwas ganz Unerwartetes: Es gelang mir immer besser, einfach in den Tag hineinzuleben.
So verbrachte ich doch tatsächlich einen ganzen Vormittag im Todo Modo – dieser wunderschönen, alten Buchhandlung mit integriertem Café. Eigentlich wollte ich nur kurz durch die Gänge stöbern, ein Buch kaufen und dann weiter zum nächsten Ziel auf meiner Sightseeing-Liste. Doch als ich mit meinem Cappuccino an einem der kleinen Holztische saß, um eine kurze Pause zu machen, umgeben von meterhohen Regalen, dem Duft von altem Papier und dem leisen Murmeln der Einheimischen, blieb die Zeit plötzlich für mich stehen.
Ich habe nicht aufs Handy geschaut. Ich habe einfach nur gelesen und geschrieben, den Kaffee langsam kalt werden lassen und gespürt, wie die Anspannung der letzten Monate von mir abfiel. In diesem Moment, zwischen alten Buchrücken und dem Klappern von Espressotassen, habe ich es begriffen: Die Welt dreht sich weiter. Auch ohne meine Pläne. Die schönsten Momente sind eben die, die man nicht plant.
Heute ist Sonntag. Lassen wir die Listen einmal bewusst in der Schublade, atmen den Kaffeeduft ein, genießen den Sonnengruß auf der Haut. Und erlauben uns das größte Geschenk des Tages: Einfach mal absolut gar nichts tun.
Eure Franziska

