
Wenn der Wind im Oktober die bunten Blätter immer mehr von den Bäumen fegt und die Felder abgeerntet sind, blicken wir gern ein erstes Mal auf das zu Ende gehende Jahr zurück. Ist das Erntedankfest doch nicht nur ein Tag der Fülle, sondern auch des Sortierens.
Passend dazu eine Redewendung, die tief in unserer landwirtschaftlichen Geschichte verwurzelt ist:
„Die Spreu vom Weizen trennen“.
Wenn wir heute im Supermarkt vor dem Mehlregal stehen, verschwenden wir kaum einen Gedanken daran, wie aufwendig die Getreideernte früher war. Nach dem Dreschen lag das Korn flach auf dem Boden – allerdings vermischt mit der „Spreu“, den trockenen, ungenießbaren Hüllen der Körner. Um an das wertvolle Korn zu gelangen, nutzten die Bauern lediglich den Wind: Sie warfen das Gemisch mit einer sogenannten Worfschaufel (ja, Worf, nicht Wurf!) in die Luft.
Während die schweren Weizenkörner zu Boden fielen, wehte der Wind die leichte Spreu einfach weg. Das Wichtige trennte sich vom Unwichtigen.
Im übertragenen Sinne tun wir das im Herbst doch alle ein bisschen. Wenn die Tage kürzer werden und wir uns in die gemütliche Stube zurückziehen, trennen wir ganz automatisch die Spreu vom Weizen in unserem Leben. Welche Projekte, Gewohnheiten oder gar Beziehungen tun uns wirklich gut (der nährende Weizen)? Und was hat sich in den vergangenen Monaten eher als heiße Luft erwiesen, die wir getrost dem Herbstwind überlassen können (die Spreu)?
Die Natur macht es uns vor: Sie lässt los, was sie nicht mehr braucht, um die Kraft im Inneren zu bündeln. Nutzen wir diesen Erntedank-Monat, um dankbar für das Gute zu sein – und den Rest einfach wegpusten zu lassen.