Die Mangelstube - Ein Austausch auf Social Media

Ich fragte: Wer kennt sie noch, die Mangelstube?

Vor einer Weile hatten wir uns im Büro darüber unterhalten, was und ob überhaupt noch gebügelt würde. Es ist längst nicht mehr so wie zu meinen Kindertagen, als selbst die Unterwäsche noch gebügelt wurde, ebenso eigentlich jedes Kleidungsstück, Stofftaschentücher, Handtücher und, und….

In dem Zusammenhang fiel mir ein, dass ich als kleines Mädchen mit meiner Mutti regelmäßig mit dem Wäschekorb voll unhandlicher Wäschestücke wie Bettwäsche oder Tischdecken in die Mangelstube zog.

„Wie bitte? Mangelstube?“ Das hatten die jungen Kolleg:Innen noch nie gehört. „Was hat eine Obdachlosenunterkunft mit Bügeln zu tun?“ wurde ich u.a. gefragt.

Ich verbesserte mich und sprach von der Heißmangel. Auch diese war ihnen kein Begriff mehr. So recherchierte ich. Die Google-KI konnte den Begriff immerhin richtig einordnen und Google Maps zeigte mir, dass es auch heute durchaus noch Heißmangeln in einigen Städten gibt.

Vor wenigen Tagen schrieb ich auf Social Media darüber. Es ist nämlich eines meiner Steckenpferde, Worte, die anscheinend immer mehr in der Versenkung verschwinden, zu thematisieren.

Und ich staunte nicht schlecht. Mit so vielen Reaktionen hatte ich nie und nimmer gerechnet.

Da wurden Erinnerungen an die Eltern und Großeltern heraus gekramt, an die Mangelstuben auf dem Land, die als Dorftreff herhalten mussten, an Heiß- und Kaltmangeln, an Mangeln, die ebenfalls selbst bedient wurden und an Mangelstuben, wo die Wäsche abgegeben wurde. Auch Heimmangeln, die sogar noch auch auf manchem Dachboden oder im Keller anzutreffen waren, kamen zur Sprache.

Es gab auch eine ganze Reihe an Zuschriften, in denen mir erzählt wurde, dass das Mangeln früher noch zur Ausbildung in den Hauswirtschaftsschulen dazu gehörte bzw. dass die Hotels teilweise über eigene Mangeln verfügten.

Selbst an die Redensart „in die Mangel nehmen“ wurde erinnert.

Ich kam an diesem Tag nicht zu vielen anderen Dingen, da ich natürlich auch auf jede Zuschrift reagieren wollte. Aber: Es hat richtigen Spaß gemacht. Wenn Social Media so friedlich funktioniert, als Austausch von Gedanken und eben auch Erinnerungen, haben alle etwas davon.

Ich habe mir schon den nächsten fast vergessenen Begriff herausgesucht: „Bei uns war Schmalhans Küchenmeister“. Mal sehen, wer das noch kennt.