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Einen wunderschönen Sonntagmorgen wünsche ich euch.

Es gibt Kisten, Kartons, Schubladen, die nicht einfach so zwischen Tür und Angel geöffnet werden sollten. Ein ruhiger Sonntagvormittag eignet sich da schon eher dafür, mit einer dampfenden Tasse Kaffee in der Hand und der Bereitschaft, eine Zeitreise anzutreten.

So habe ich heute einen Stapel alter Briefe, zusammengehalten von einem leicht verblassten Band, aus einer meiner Kisten vor mir.

Beim Durchblättern fallen mir die unterschiedlichen Handschriften ins Auge: die zarte und doch energische Schrift meiner Mutter, die akkuraten Zeilen meines Vaters in Sütterlinschrift und die vertrauten, tief berührenden Zeilen meines viel zu früh verstorbenen Lebensgefährten. Alle mit der Hand geschrieben. Sozusagen papiergebliebene vergangene Lebenszeit.

In unserem digitalen Zeitalter, in dem Kommunikation in Millisekunden per Messenger um die Welt jagt, wirken diese Briefstapel auf meinem Schoß fast wie Relikte aus einer untergegangenen Welt. Sentimentale Nostalgie? Trauere ich hier etwas nach, das schlicht seine Relevanz verloren hat – so wie z.B. der Beruf des Laternenanzünders verschwand, als die elektrischen Straßenlampen die Gaslaternen ablösten?

Nein, für mich gibt es da schon einen Unterschied. Der Laternenanzünder war ein Handwerksberuf, der seine Existenzgrundlage verloren hatte. Der alte Brief erscheint mir eher als etwas Seelenvolles, als etwas, das Nähe und Emotion transportiert, obwohl der Mensch, der ihn geschrieben hat, eventuell gar nicht mehr unter uns weilt.  

Wenn ich die Handschrift eines geliebten Menschen betrachte, sehe ich auch ein bisschen seine Persönlichkeit. Ich sehe, wo der Stift kurz gezögert hat oder wo ein Wort durchgestrichen wurde, weil die Gedanken schneller waren. Die Tinte oder der Kugelschreiber auf dem Papier als physische Spur, die im Moment des Schreibens hinterlassen wurde. Sie altert mit uns. Sie riecht nach der Zeit, in der sie entstand.

Ein Brief verlangt Verlangsamung. Man setzt sich hin, wählt die Worte mit Bedacht, weil man sie nicht einfach per Taste löschen kann. Und genau diese investierte Zeit spürt der Empfänger – auch noch Jahrzehnte später. Digitale Nachrichten verschwinden in einer endlosen Cloud, sie sind flüchtig wie ein Windhauch. Ein Brief bleibt. Er ist ein Anker, der uns mit unserer eigenen Geschichte und den Menschen, die uns geprägt haben, verbindet.

Der handgeschriebene Brief als ein zeitloses Kunstwerk der Zwischenmenschlichkeit. 

Vielleicht sollten wir gerade heute, in einer inzwischen fast überdigitalisierten Welt wieder öfter zum Stift greifen. Nicht, weil es praktischer ist. Sondern weil es die schönste Art ist, jemandem zu sagen: Ich mag dich und deshalb bist du mir diese Zeit wert. 

Bis zum nächsten Kaffeeduft & Sonnengruß

Eure Franziska