Manchmal hat die Vergangenheit den Geschmack von Apfelkernen. Sie schmecken bitter, wenn man auf sie beißt, und doch gehören sie unweigerlich zum Apfel dazu – genau wie die schmerzhaften Erinnerungen zu unserem Leben.
In ihrem wunderschönen Roman „Der Geschmack von Apfelkernen“ nimmt uns Katharina Hagena mit in das alte Haus von Großmutter Bertha. Nach deren Tod erbt Iris das Anwesen und wird beim Betreten der vertrauten Räume augenblicklich von ihrer eigenen Kindheit eingeholt. Es ist ein Buch, das man nicht einfach nur liest, sondern mit allen Sinnen erfährt. Man riecht den Duft von frisch gekochtem Apfelmus, man spürt die Sommerhitze im verwunschenen Garten und hört das leise Summen der Bienen.
Doch hinter der idyllischen Fassade verbirgt sich ein Netz aus Familiengeheimnissen, verblassten Erinnerungen und tragischen Verlusten. Hagena schreibt so poetisch und feinfühlig über ein Thema, das uns alle betrifft: Wie gehen wir mit der Vergangenheit um? Was behalten wir im Herzen, und was löscht das Vergessen gnädig aus?
Für mich ist dieser Roman ein absolutes Herzensbuch. Es erinnert uns daran, dass die Bruchstücke unserer Kindheit uns zu dem machen, was wir heute sind – auch die bitteren Momente.
Das Buch, das in meinem Regal steht, ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. “Der Geschmack von Apfelkernen” wurde auch verfilmt.