Guten Morgen bei Kaffeeduft und Sonnengruß!
Habt ihr euch in letzter Zeit auch dabei ertappt, wie ihr zögerlich werdet, wenn jemand euch fragt: „Schaffen wir das?“. In einer von Krisen geschüttelten Welt, in der die Nachrichten von Konflikten, Klimasorgen und wirtschaftlicher Unsicherheit dominiert werden, wirkt ein Wort fast wie aus der Zeit gefallen: Zuversicht.
Aber was ist das eigentlich, Zuversicht? Sie ist, glaube ich, kein naiver Zweckoptimismus und auch nicht das blinde Vertrauen darauf, dass „schon alles irgendwie gut wird“, während man die Augen vor der Realität verschließt.
Zuversicht ist vielmehr eine innere Haltung. Sie ist die Entscheidung, trotz der Dunkelheit an das Licht zu glauben. Sie ist der Mut, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn der Weg noch im Nebel liegt.
Doch darf man dieses Wort heute noch ungestraft in den Mund nehmen? Ist es nicht eher anmaßend, einem schwer kranken Menschen, einem Langzeitarbeitslosen, von Armut Betroffenen oder Menschen im Kriegsgebiet mit „Zuversicht“ zu kommen? Ja, das kann es sein. Wenn Zuversicht von oben herab, als billiger Trostratschlag, formuliert wird, mutiert sie zu toxischer Positivität. Sie darf niemals das Leid des anderen kleinreden oder wegwischen. Wer existenzielle Not leidet oder tiefen persönlichen Schmerz erfährt – sei es durch den Verlust des Partners oder eine Diagnose, braucht zuerst Raum für Trauer, Angst und Wut.
Zuversicht kann man niemandem verordnen. Man kann sie nur wie ein sanftes Licht anbieten, wenn der Sturm sich etwas gelegt hat.
Auch mir selbst fällt es nicht immer leicht. Während ich hier sitze, meinen Kaffee trinke und diese Zeilen schreibe, klopfen die eigenen Ängste an. Das Älterwerden geht an niemandem spurlos vorbei. Die Sorge vor dem Verlust der geistigen oder körperlichen Kraft ist real. Und wenn ich an meinen Sohn und meinen winzig kleinen Enkelsohn denke, frage ich mich oft schweren Herzens: In was für einer Welt werden sie leben, wenn ich einmal nicht mehr da bin? Welche Krisen müssen sie meistern? Diese Ängste verschwinden nicht einfach.
Aber Zuversicht bedeutet eben nicht die Abwesenheit von Angst. Sie ist die Kraft, die uns trotz der Angst handeln lässt. Sie flüstert uns zu, dass die Zukunft noch nicht geschrieben ist und dass wir gestaltende Kraft besitzen – im Kleinen wie im Großen. Zuversicht ist das Fundament, auf dem wir die Welt für die nächste Generation ein Stückchen wärmer hinterlassen können.
Lasst uns dieses Wagnis gemeinsam eingehen. Nicht mit lauter Gewissheit, sondern mit leiser, beharrlicher Hoffnung.
Ich wünsche euch einen friedvollen Sonntag,
Eure Franziska

