Das Überraschungsei

Eine berührende Geschichte

Vor wenigen Tagen erzählte mir meine Schwiegertochter (in spe) Laura, die Mutter meines 4 Monate alten Enkels, folgendes Erlebnis:

Vor dem Eingang eines REWE-Marktes sah sie einen offenbar Obdachlosen und einen kleinen Steppke in ein intensives Gespräch vertieft. Der Junge war ihrer Einschätzung nach aus einer ärmeren Familie. Wenn man in einer Stadt wie Bremen lebt, bekommt man bald einen Blick dafür. Es mangelt leider trotz aller Bemühungen des Senats nicht an Problemvierteln und an Erwerbslosen. Auch Obdachlose gehören so selbstverständlich zum Straßenbild, dass sie hier noch weniger wahrgenommen werden als anderswo.

Aus den Gesprächsfetzen im Vorbeigehen konnte Laura entnehmen, dass der Kleine in einem kinderreichen Haushalt zu Hause war, dementsprechend sich ein Zimmer mit Geschwistern teilen musste und wohl schon wegen der Enge zu Hause lieber draußen herumstromerte.

Als sie dann wenig später an der Kasse stand, sah sie vor sich den leicht gebückten Obdachlosen. Ein einzelnes Überraschungsei lag auf dem Kassenband. Für das Kind?

Ja! Beim Hinausgehen bekam sie gerade noch mit, wie der alte Mann das Ei dem Jungen vorsichtig in die Hand gab mit den Worten: „Nicht sofort essen, erst zu Hause fragen, ob Du es von mir, einem Fremden, annehmen durftest“.

Der Kleine schaute ihn verständnislos an. Das hatte ihm bisher wohl auch noch niemand gesagt. Ich glaube nicht, dass er es geschafft hat, es erst zu Hause zu öffnen. Aber das wäre dann wieder eine andere Geschichte.

Mich hat Lauras Erzählung unwahrscheinlich berührt. Welches Schicksal hat diesen gutherzigen Mann wohl auf die Straße gebracht?