- Franziska macht Geschichten
- Posts
- April, April!
April, April!
Wie steht es zu Zeiten der Fake News um den eher harmlosen Aprilscherz?
Ich mochte das „in den April schicken“ als Kind nicht. Obwohl die Aprilscherze meiner Mutter für gewöhnlich sehr harmlos waren. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich in der Schule so hereingelegt wurde, dass es eine Grenze überschritt.
Was ich fürchtete, war einfach, dass ich regelmäßig Jahr für Jahr wieder darauf hereinfiel. Manchmal waren es sogar die gleichen harmlosen Scherze, die ich mir nur hätte zu merken brauchen.
Noch anstrengender fand ich jedoch, dass mir selbst keine passenden Scherze einfielen, egal wie ich auch grübelte. Oder sie waren so durchschaubar, dass ich keine Chance damit hatte. War es mir doch einmal fast gelungen, verriet mich mit Sicherheit mein Gesichtsausdruck.
Eine meiner Lieblingsgeschichten von Alfons Zitterbacke, dem kindlichen Unglückshelden der DDR-Kinderliteratur, war deshalb auch die, in der Alfons sich eine solch haarsträubende Geschichte ausgedacht hatte, dass er zur Strafe ins Bett geschickt wurde. Dabei hätte er nie und nimmer gedacht, dass ihm das, was er sich ausgedacht hatte, wirklich geglaubt würde.
Das Anti-Aprilscherz-Gen habe ich später prompt auf meinen Sohn vererbt. Er bat mich schon lange im Voraus darum, ihn doch bitte damit zu verschonen und am liebsten wäre er auch an diesem Tag der Schule ferngeblieben. Ich habe es dann auch schnell gelassen, wusste ich doch sehr wohl noch, wie ich selbst unter dieser an und für sich harmlosen Tradition gelitten hatte.
Sogar die Medien, insbesondere die Tageszeitungen, gaben am 1.April gern eine ausgedachte Meldung heraus, auf die viele Leser dann auch prompt hereinfielen und häufig sogar, je nach Inhalt, empört reagierten.
Theorien über die Entstehung des Aprilscherzes gibt es viele. Die geläufigste ist die vom Umverlegen des Jahresanfanges vom 1.April auf den 1.Januar durch den französischen König. In Deutschland findet man den ältesten Nachweis des in den April Schickens bereits im Jahr 1618 in Bayern.
Und der wahrscheinlich älteste Aprilscherz in einer Zeitung wurde am 1. April 1774 in Deutschland veröffentlicht. Erklärt wurde darin, wie man nicht nur Ostereier, sondern auch Hühner in allen möglichen Farben züchten könne. Man brauche nur die Umgebung der Hühner in der jeweils gewünschten Farbe anzustreichen, damit sich Hühner entsprechend anpassen. (Quelle: Google und Wikipedia).
Wo hat der Aprilscherz nun heute seinen Platz, zu Zeiten von Fake News in den sozialen Medien, von gezielter Desinformation?
Ja, er ist doch wirklich dadurch ein wenig in Schieflage geraten. Viele Medienhäuser, Unternehmen und Marken verzichten mittlerweile sogar ganz auf ihn, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu gefährden. Eigentlich schade. Ich fand z.B. die angebliche Umbenennung des Volkswagens in Voltwagen oder den McPickle von McDonalds recht amüsant und auch harmlos.
Ist der Aprilscherz deshalb bereits eine gefährdete Spezies? Es bleibt abzuwarten. Bei mir fällt er dieses Jahr wohl wieder aus. Es fällt mir einfach wieder nichts ein.