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Alles Gute zum Muttertag!
Zwischen Blumen, Handelsumsatz und echter Anerkennung
Meine Mutter ist nun schon seit 19 Jahren nicht mehr unter uns, ihr Grab ist 600 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Einen besonderen Tag benötige ich für das Andenken an sie nicht. Sie ist fest in meinem Herzen.
Seit dreißig Jahren bin ich auch selbst Mutti. Eine sogenannte späte. Erst mit Mitte dreißig hielt ich meinen kleinen Sohn in den Armen. Im vergangenen Herbst hat mich dieser auch zur Großmutter gemacht.
Ich liebe meinen Sohn, mein einziges Kind, von ganzem Herzen. Das Band ist auch nach 30 Jahren eng. Es hat manche Stürmen in der Pubertät, seinen Auszug mit 19 Jahren und so manche Meinungsverschiedenheit unbeschädigt überstanden.
Ganz sicher war das Loslassen für mich als alleinerziehende Mutter alles andere als leicht. Für ihn wiederum war das sich Losmachen gewiss auch nicht einfach. Die Balance zu halten zwischen Nähe und Atmen lassen schaffen wir inzwischen. Die früher übertriebenen Sorgen habe ich großenteils im Griff. Im Gegenteil, jetzt muss er aufpassen, dass er nicht einige Jahre zu früh die Verantwortung für seine älter werdende, nicht ganz gesunde Mom zu übernehmen versucht.
Brauchen wir beide den Muttertag? Nein, eigentlich nicht. Wir sehen uns regelmäßig, arbeiten zusammen, unternehmen wunderschöne Reisen in Familie, telefonieren oder whatsappen täglich. Seine Anerkennung und Dankbarkeit sind kontinuierlich spürbar.
Trotzdem freue ich mich natürlich auch wie jede andere Mutter über einen Extrabesuch oder eine kleine Aufmerksamkeit an diesem zweiten Maisonntag. Aber ich sehe kein Muss darin, erwarte es nicht.
Vielleicht liegt es ein wenig mit daran, dass ich in Ostdeutschland groß geworden bin, in einer Zeit, in der der gesellschaftliche Fokus dort wesentlich mehr auf die Gleichberechtigung der Frau als im Westen Deutschlands gerichtet war?
Der Muttertag hingegen war absolute Privatsache und ganz gewiss nicht von dem Kommerz behaftet, dem wir heute allerorten ähnlich wie am Valentinstag begegnen. Über den von uns Kindern gedeckten Frühstückstisch, selbst gepflückte Veilchen oder Wiesenblumen und einen mit Unterstützung des Vaters heimlich gebackenen Muttertagskuchen ging das nicht hinaus.
Wenn ich es jedoch einmal von außen ganz nüchtern betrachte, spaltet der Muttertag aktuell in verschiedene Lager:
Da ist das Lager der kritischen Stimmen, die ihn als unzeitgemäß betrachten, vom Mief eines veralteten Rollenbildes des 20.Jahrhunderts oder noch schlimmer des Nationalsozialismus behaftet. Rein kulturgeschichtlich und gesellschaftspolitisch nicht ganz unberechtigt.
Dann gibt es das Lager der Pflichterfüllten, die kurz vor dem Muttertag jedes Jahr neu das schlechte Gewissen plagt, dass sie die Mutter wieder kaum besucht haben.
Und dann gibt es die, die sich einfach die kindliche Freude bewahrt haben, die Mama, Mutti, Mom zu überraschen und damit einmal mehr ihrer Wertschätzung Ausdruck zu verleihen. Was spricht dagegen, diesem Anliegen ähnlich wie dem Hochzeitstag, dem Geburtstag, dem Namenstag einen bestimmten Tag im Jahr zuzuweisen? Eigentlich nichts. Und: Der von Existenznöten geplagte Einzelhandel kann es derzeit leider auch vertragen.
In diesem Sinne: Allen Müttern dieser Welt von Herzen ein großes Dankeschön! Lasst euch feiern, euch umarmen, jeden Tag und am Muttertag besonders.